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Wie Wirgeser Spenden seit 25 Jahren in Indien helfen

Von Hans-Peter Metternich

Wirges. Seit einem Vierteljahrhundert unterstützt die Pfarrei St. Bonifatius Wirges die Arbeit der Dernbacher Schwestern, die in Indien seit 1970 in zwei Provinzen tätig sind. Die Hilfe der Pfarrei Wirges konzentriert sich auf die südindische Provinz in Bangalore. Im Laufe der 25 Jahre der Partnerschaft flossen aus Wirges 565 000 Euro an Spenden an die Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC).

Pfarrer Winfried Karbach und Pfarrer Ralf Plogmann haben sich mit Thomas Müller und Udo Naglo im Januar und Februar bei einem Besuch in Indien anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft davon überzeugt, dass jede Spende ankommt und unmittelbar für Menschen in Not eingesetzt wird. „Die Schwestern arbeiten im Sinne der Heiligen Katharina Kasper, der Heiligen unseres Bistums und unserer Pfarrei. Daher sollten wir auch weiterhin als Pfarrei den Dernbacher Schwestern bei ihrem Dienst an Not leidenden Menschen jede mögliche Unterstützung zukommen lassen“, lautete die Bitte der Pfarrer bei einem Informationsabend im Bonifatius-Haus. Dort brachten sie vielen Besuchern die Arbeit der Schwestern und die geförderten Projekte in Wort und Bild näher. Ein aufschlussreich bebilderter Vortrag von Thomas Müller vermittelte Eindrücke von der Reise, die das alltägliche Leben in Indien und dessen Entwicklung wiedergaben. Vor allem dort, wo die Hilfe aus Wirges Enormes bewirkt hat.

Doch wie hat alles angefangen?


Die beiden Pfarrer klären auf: „1998 fand anlässlich des 100. Todestages der Heiligen Katharina Kasper in Dernbach ein gemeinsames Fest der Dernbacher Schwestern und des ehemaligen Pastoralen Raumes Wirges statt. Mit dem Fest sollte auch die Förderung eines sozialen Projektes der Dernbacher Schwestern verbunden sein. Schwester Christeta Hess, die damalige Provinzoberin, schlug vor, den Bau eines neuen Sozialzentrums in Kenichira in Kerala zu unterstützen, ein Haus für ältere, mittellose und alleinstehende Frauen.

Zunächst wurde mit Spenden aus der Pfarrei der Bau des Hauses unterstützt und später der jährliche Unterhalt des Hauses mit jeweils circa 13 500 Euro mitfinanziert. Zusätzlich wurde im Laufe der Jahre auch die Anschaffung eines neuen Jeeps für Krankentransporte, Fahrten zum Arzt und Einkaufsfahrten sowie der Bau eines neuen Brunnens finanziert. Zum Sozialzentrum Maria Sadan in Kenichira gehört auch eine kleine Landwirtschaft, die zwei angestellte Mitarbeiter bewirtschaften. Damit wird den Familien der Angestellten geholfen, ihr tägliches Auskommen zu haben.

Hilfe aus der Pfarrei Wirges wird noch in vielen anderen Bereichen und Regionen in Indien den Dernbacher Schwestern zuteil. Mit ihren Einrichtungen sowie ihrer Arbeit in den Dörfern unterstützen und fördern die Armen Dienstmägde Jesu Christi Menschen in oft schwierigen Lebenssituationen. Sie ermöglichen vielen neue nachhaltige Lebensperspektiven, häufig als Hilfe zur Selbsthilfe.

Zusätzlich zu der Förderung des Sozialzentrums Maria Sadan hat die Pfarrei das Hilfsprojekt Gift of Life ins Leben gerufen, mit dem unterschiedliche Einrichtungen und Hilfsprojekte gefördert werden, insbesondere das Ashalaya-Center in Vidyanagar und die Katherine-Matriculation-High-School in Sebastiarpuram am Indischen Ozean. In einem Außenbezirk von Bangalore befindet sich in Vidyanagar das Ashalaya-Center mit Programmen und Angeboten, besonders für Kinder, Jugendliche und Frauen.

Hier haben die Schwestern ein Programm speziell zur Förderung von Frauen entwickelt. In Selbsthilfegruppen soll der Status von Frauen in der Familie gestärkt werden. Den Frauen werden unter anderem Schulungen und Trainingsprogramme wie ein Ausbildungskurs zur Näherin angeboten, um sie für eine selbstständige Arbeit zu befähigen. Dadurch ist es ihnen möglich, ein eigenes Einkommen zu erzielen, wodurch sie als Frauen mehr Anerkennung und einen besseren Stand in Familie und Gesellschaft haben. Für dieses Projekt hat die indische Regierung die Fördermittel eingestellt. Mit Spenden zum 40-jährigen Priesterjubiläum von Pfarrer Karbach konnte das Projekt für drei Jahre gesichert werden. Somit erhalten 350 Frauen eine Ausbildung und nach bestandener Prüfung einen Arbeitsplatz. Ein anderer Schwerpunkt von Ashalaya sind sogenannte Brückenschulen für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die aus sozial schwachen Familien kommen. In Lernprozessen, die auf ihr Alter und ihre Situation abgestimmt sind, werden sie früh gefördert. Eine dieser Schulen wird von der Pfarrei Wirges finanziert. Im Katharina-Kasper-
Kinderheim werden minderjährige Mädchen versorgt und in ihrer Entwicklung und Ausbildung gefördert. Weit mehr als 10 000 junge Menschen haben bislang an dem Ausbildungsprogramm teilgenommen
und wurden zur Selbstständigkeit ermutigt.“

Und die Pfarrer stellten bei dem Infoabend dankbar fest: „Etliche weitere Hilfeleistungen durch die Pfarrei Wirges für die Arbeit der Dernbacher Schwestern waren nur möglich, weil bei der Bevölkerung eine große Spendenbereitschaft herrscht.“ Sie nannten Beispiele: „Sehr groß war die Spendenbereitschaft, als am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 ein Erdbeben mit der Stärke 9,1 den Indischen Ozean erschütterte und eine Reihe von verheerenden Tsunamis an den Küsten auslöste. Mit Spenden aus der Pfarrei konnte Menschen zunächst mit Lebensmitteln, Decken und Medikamenten und später armen Fischerleuten geholfen werden, ihr Haus zu reparieren oder aufzubauen, neue Boote oder Fischernetze zu kaufen.

2018 traf ein Jahrhunderthochwasser mit einer verheerenden Flut den Bundesstaat Kerala. Auch hier konnten die Schwestern durch großzügige Spenden aus unserer Pfarrei unmittelbar von der Katastrophe betroffenen Menschen in Notsituationen helfen und Wiederaufbau leisten. 2020 setzte die Corona-Pandemie der indischen Bevölkerung besonders stark zu. Hier war die Spendenbereitschaft wieder sehr groß, sodass durch Beiträge aus der Pfarrei Erstversorgung möglich wurde, Atemgeräte angeschafft und Krankenhausplätze von den Schwestern eingerichtet werden konnten. Den Menschen aus unserer Pfarrei kann nicht hoch genug für ihre Spendenbereitschaft, die in 25 Jahren mehr als eine halbe Million Euro für die Arbeit der Dernbacher Schwestern in Indien zusammengebracht hat, gedankt werden“, sagten die Pfarrer Karbach und Plogmann.

Viele der Zuhörer im Bonifatius-Haus konnten einige der Informationen kaum fassen. Um unmittelbar bei den Menschen zu sein und ihnen Hilfe leisten zu können, sind die Schwestern weiter auf die Mithilfe der Pfarrei angewiesen, so die Pfarrer. Sie hoffen, dass die Partnerschaft zwischen der Pfarrei und den ADJC auch nach 25 Jahren weiter von Hilfsbereitschaft geprägt ist – auch, wenn sie im Juni aus dem pastoralen Dienst in der Pfarrei ausscheiden.

Projekte bieten auch Hilfe zur Selbsthilfe


Wie sich die aktuelle Spendensumme in Höhe von 19 500 Euro zusammensetzt: Die Partnerschaft der Pfarrei Wirges mit der Provinz der Dernbacher Schwestern und die Spendenbereitschaft der Bürger hat in 25 Jahren mehr als eine halbe Million Euro eingebracht. Die Spendenden wissen, was die Schwestern leisten, dazu zählt auch Hilfe zur Selbsthilfe.

Bei dem Informationsabend konnten die indischen Schwestern Pragasha Mary und Sabitha einen symbolischen Scheck über 19 500 Euro in Empfang nehmen. Die Spendensumme setzt sich wie folgt
zusammen:

  • 13 500 Euro zur Mitfinanzierung zum Jahresunterhalt Maria Sadan in Kenichera,
  • 2200 Euro von Gabi Psutka für die Pflasterung des Außengeländes der Schule in Sebastiarpuram, ihre Zuwendung resultiert unter anderem aus Spenden und Geldgeschenken zu ihrem 70. Geburtstag,
  • 1000 Euro zur Finanzierung einer Brückenschule Ashalaya/Vidyanagar,
  • 2800 Euro für Notfallmaßnahmen und Einzelhilfen in Sebastiarpuram und Vidyanagar.

Die finanzielle Hilfe aus der Pfarrei Wirges für die Arbeit der Dernbacher Schwestern in Indien geht auch nach 25 Jahren weiter. Schwester Sabitha und Schwester Pragasha Mary (3. und 4. von rechts) nehmen bei dem Informationsabend einen symbolischen Scheck über 19 500 Euro in Empfang. Mit auf dem Foto (von links) Udo Naglo, Pfarrer Ralf Plogmann, Pfarrer Winfried Karbach, Gabi Psutka und Thomas Müller.

Foto: Hans-Peter Metternich

Die indischen Schwestern helfen da, wo die Not am größten ist, so wie hier bei der Essenausgabe an hungernde Kinder.

Foto: Indische Provinz der ADJC

Hilfe zur Selbsthilfe: Pfarrer Winfried Karbach händigt einer Frau ein Zertifikat für deren erfolgreiche Schulung zur Näherin aus. Das Projekt konnte durch die Zuwendung von Pfarrer Karbach aus den Spenden zu seinem 40. Dienstjubiläum für weitere drei Jahre gesichert werden.

Foto: Ralf Plogmann